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Zum Werk
Als die ersten drei Sätze des „Deutschen Requiems“ im Jahre 1867 uraufgeführt wurden, war Johannes Brahms erst 33 Jahre alt. Das Werk machte ihn als Komponisten im gesamten deutschsprachigen Raum bekannt und ist bis heute eine seiner populärsten und am häufigsten aufgeführten Kompositionen. Bis zu diesem Zeitpunkt war Brahms‘ Karriere als Komponist eher schleppend verlaufen. Trotz des Namens handelt es sich bei Johannes Brahms‘ „Ein deutsches Requiem“ nicht um ein Requiem im traditionellen Sinn. Das Werk basiert weder auf den Texten des lateinischen Requiems, noch ist es für den liturgischen Gebrauch komponiert.
1861 begann Brahms mit der Zusammenstellung der Texte zu dem Werk. Zunächst entstanden die Texte der Sätze I–IV, dann pausierte er. Nach dem Tod der Mutter 1865 scheint er die Arbeit wieder aufgenommen zu haben, denn im Frühjahr 1865 entstand der IV. Satz; diesen sandte Brahms als Klavierauszug an Clara Schumann. Die weiteren Sätze entstanden in den folgenden Jahren.
Die ersten drei Sätze – mehr wollte man dem Publikum „nicht zumuten“ – wurden Anfang Dezember 1867 durch den Wiener Singverein in einem Konzert der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien uraufgeführt. Die erstmalige Aufführung des zu dieser Zeit noch sechs-sätzigen Werkes in seiner Gesamtheit fand am Karfreitag, dem 10. April 1868 im Bremer Dom unter der musikalischen Leitung von Brahms statt. Der bei diesem Konzert noch fehlende fünfte Satz wurde erst danach eingefügt. Das vollständige Werk erlebte am 18. Februar 1869 seine Uraufführung im Leipziger Gewandhaus; allerdings hatte es am 3. Januar 1869 bereits eine private Aufführung einer Klavierauszugsversion mit kleinem Chor und Solisten in Dessau gegeben.
„Seit Bachs h-moll-Messe und Beethovens Missa Solemnis ist nichts geschrieben worden, was auf diesem Gebiete sich neben Brahms’ deutsches Requiem zu stellen vermag“, so hymnisch urteilte der schwer zu begeisternde Wiener Musikkritiker Eduard Hanslick.
Das „Deutsche Requiem“ ist von Beginn an für Konzertsaal oder Kirchenkonzert konzipiert und steht damit in einer Tradition, die um 1800 ihren Anfang nahm. Wie in den Motetten J. S. Bachs oder in Heinrich Schütz‘ „Musikalischen Exequien“ werden Zitate aus der Heiligen Schrift abschnittsweise vertont, jeder Absatz erhält eine eigene musikalische Gestalt. „Zielperson“ von Text und Musik ist nicht länger der Verstorbene, für dessen Seelenheil gebetet wird, sondern der (Über-)Lebende, der getröstet werden soll. Damit entsprach Brahms einer geistigen Strömung seiner Zeit. Die Einstellung der Menschen zum Tod wandelte sich gerade im 19. Jahrhundert, einer Zeit, in der Gedanken an das Überirdische zentral waren, entscheidend: Aus dem anonymen Tod wurde ein persönlicher, der „Tod des Anderen“, eines Menschen, mit dem man eng verbunden war. Der Schmerz, den die physische Trennung vom geschätzten Lebensgefährten bei den Hinterbliebenen hervorrief und der oft pathetisch nach außen getragen wurde, ging tief, doch wusste man gleichzeitig: Der Andere war erlöst, und im Jenseits würden sich sogar die Liebenden wieder vereinen können. So wurde der Tod geradezu als ersehnter Moment verherrlicht. Dies spiegelt sich deutlich in der Musik und im Aufbau des Deutschen Requiems von Johannes Brahms wider.
Preis:
Normal: 30€